Die Welt – Der unverschämte Angriff auf CureVac ist ein Weckruf für Deutschland

Anja Ettel

Wirtschafts-Korrespondentin Die Welt
US-Präsident Trump hat versucht, den USA den exklusiven Zugang zu einem möglichen Corona-Impfstoff zu sichern. Doch die Firma CureVac will davon nichts wissen. Das Mittel soll der ganzen Welt zugänglich gemacht werden.
US-Präsident Trump hat für sein unmoralisches Angebot, seinem Land Exklusivrechte an einem Impfstoff gegen Covid-19 zu sichern, eine deutliche Abfuhr kassiert. Der Fall sollte Deutschland zu denken geben – und es aufrütteln.

Ein Albtraum, aus dem es kein Erwachen gibt. Ein Katastrophenfilm, der nicht enden will – so fühlt sich der Alltag in der durch das Coronavirus verursachten Pandemie schon jetzt für sehr viele Menschen an. Immer noch steigen die Infektionszahlen rasant, kämpfen Ärzte und Pflegekräfte verzweifelt gegen einen schier übermächtigen Gegner, während ein Land nach dem anderen für unbestimmte Zeit den Stecker zieht für das Leben, wie wir es kannten.

Es ist in dieser verzweifelten Lage vor allem die Wissenschaft, die Hoffnung spendet. Nie zuvor ist es inmitten einer Pandemie gelungen, den Übeltäter so schnell zu entlarven und zu entschlüsseln. Weltweit arbeiten Forscher zusammen, um möglichst schnell eine schützende Impfung, ein lebensrettendes Medikament gegen die Lungenkrankheit Covid-19 zu finden.

Hopp stützt eine schwächelnde Branche

Ein Gutes aber hat die Kaltschnäuzigkeit, mit der US-Präsident Donald Trump seine alte Idee eines „America First“ im Fall der Firma CureVac offenbar auf die pervertierte Spitze treiben wollte. Der allzu plumpe Versuch, wertvolle Technologie und kluge Wissenschaftler aus Tübingen mit viel Geld nach Amerika zu locken, hat Deutschland aufgerüttelt.

Die Bundesregierung, die sich in der Vergangenheit bei ähnlichen Gelegenheiten gern unter Verweis auf die Kräfte des Marktes vornehm zurückgehalten hat, gab diesmal unmissverständlich zu verstehen, dass in diesem Fall die Grenzen der Belastbarkeit erreicht wären: „Deutschland steht nicht zum Verkauf“, so hat es Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bewusst unfreundlich formuliert.

Dass aus dem bösen Deal tatsächlich nichts wurde, hat das Land aber vor allem einem zu verdanken: CureVac-Eigentümer Dietmar Hopp – und damit ausgerechnet jenem Mann, der noch vor wenigen Wochen von Bundesliga-Chaoten auf üblen Plakaten wortwörtlich ins Fadenkreuz genommen wurde. Der SAP-Gründer und Fußball-Mäzen Hopp gehört ähnlich wie die Gebrüder Andreas und Thomas Strüngmann zu den reichsten Menschen in diesem Land. Und gleichzeitig zu den wenigen Kapitalgebern, auf die sich die schwächliche deutsche Biotechbranche seit sehr vielen Jahren verlassen kann.

Die einstige Apotheke der Welt – abgehängt

Dass die Branche schwächelt, hat beileibe nichts mit der Qualität der Forscher zu tun: Tatsächlich ernten viele der Ideen und Technologien, die hierzulande erdacht und ertüftelt werden, weltweit Bewunderung. Kluge Köpfe wie CureVac-Gründer Ingmar Hoerr oder Ugur Sahin, Chef der Biotech-Perle BioNtech – die ebenfalls an Impfstoff und Therapie gegen Covid-19 arbeitet –, werden seit vielen Jahren von ihren treuen Kapitalgebern unterstützt. Und konnten genau deshalb in Ruhe reifen.

ARCHIV - 22.09.2018, Baden-Württemberg, Sinsheim: Fußball: Bundesliga, 1899 Hoffenheim - Borussia Dortmund, 4. Spieltag, in der Rhein-Neckar-Arena. Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp steht im Stadion. (zu dpa: «Hoffenheims Mäzen Hopp: Saison vor leeren Rängen wäre «lächerlich»») Foto: Uwe Anspach/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Dietmar Hopp
Quelle: dpa

Vielen anderen Biotechfirmen ist das nicht vergönnt. Sie sterben, weil ihnen auf halbem Wege das Geld ausgeht. Oder sie müssen ihre innovative Forschung für lange Zeit auf Eis legen zugunsten einträglicherer Dienstleistungen. Diese bringen zwar keinen medizinischen Durchbruch, aber den Firmen wenigstens Geld in die Kasse. Länder wie Israel, Großbritannien und die USA, die allesamt eine funktionierende Venture-Capital-Szene und damit auch eine vielfältige Start-up-Kultur besitzen, sind uns da meilenweit voraus – und werden Deutschland, die einstige Apotheke der Welt, immer weiter abhängen.

Wozu das Investieren in die Zukunft gut ist, zeigt sich in der jetzigen Lage sehr deutlich, in der die Welt ganz besonders abhängig ist von den Ideen und dem langen Atem kluger Forscher – und ihrer mutigen Förderer.

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