ZukunftsInstitut -Corona-Krise

Besonders guter Artikel vom ZukunftsInstitut!

In produktiver Anspannung durch die Corona-Krise

Corona ist von einer entfernten Gefahr zu einer akuten Pandemie avanciert, die massive Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft mit sich bringt. Diese ernste Situation befeuert Emotionen, die wir unter Kontrolle bringen müssen, um weiterhin klug entscheiden und handeln zu können. Jetzt ist Zeit für den Vor-Sicht-Modus.

Ein Beitrag von Harry Gatterer

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Illustration: Benedikt Eisenhardt, Foto: unsplash.com / Leyy M

Eigentlich hatten wir alle etwas anderes vor. Oder? Pandemien standen als so genannte „X-Events“ in jedem guten Drehbuch der Zukunftsforschung. Aber jetzt sind wir mitten drin und der X-Event ist keine Hypothese mehr. Nach Wochen der Fernbeobachtung der Corona-Entwicklungen sind diese nun bis zu uns vorgedrungen. Italien machte den Anfang, in Österreich ist das öffentliche Leben mittlerweile auf das Mindeste eingeschränkt, Deutschland folgt mit gröberen Maßnahmen. Das Ziel: die große Corona-Bremse. Doch mittlerweile ist klar, Corona geht nicht einfach spurlos an uns vorbei.

Dabei muss man drei Bedrohungslagen differenzieren, die sich aus Corona ergeben:

  • die gesundheitliche Dimension von Corona
    Für bestimmte Bevölkerungsgruppen ist das neuartige Virus extrem bedrohlich und aufgrund seines langwierigen Krankheitsverlaufs ist es auch ein Problem für die Versorgungskapazitäten unserer Krankenhäuser. Darum dreht sich aktuell alles. Für die allermeisten von uns ist der Virus hingegen geradezu harmlos. Aber egal, denn es geht um Menschenleben. 
Zeitlich gesehen handelt es sich bei dieser Bedrohungslage um ein vergleichsweise kurzes, intensives Problem. Den medizinischen Prognosen zufolge dürften wir es spätestens in einigen Monaten insofern im Griff haben, dass wir einen Umgang damit gefunden haben werden.
  • die Angst-Dimension von Corona

    Corona ist durch die radikalen Maßnahmen, die es auslöst, sehr stark ein „mentales Problem“, das Menschen in vielfältige Sorgenkaskaden führt. Hamsterkäufe sind nur eine harmlose Folge dessen. Die Einschnitte, die Corona in unser Denken über die Welt mit sich bringt, sind gravierend. Im Schlechten, wie im Guten. Natürlich erleben wir auch Effekte der Solidarität. Die Lernfähigkeit und Resilienz einer ganzen Gesellschaft wird auf die Probe gestellt. Wie wir mit dieser Angst umgehen wird entscheiden, wie lange wir an den Folgen der Krise leiden werden.
  • die wirtschaftliche Dimension von Corona

    Soweit man das heute einschätzen kann, werden die weitreichendsten Auswirkungen, von denen wir alle betroffen sind, die Zusammenbrüche unserer Systeme sein. Wie nachhaltig diese Schaden nehmen werden, kann noch niemand wirklich absehen. Aber damit wird bereits klar: Neben der gesundheitlichen Gefahr und den ausgelösten Ängsten, ist Corona vor allem ein Clusterfuck. Also ein Ereignis, in dem komplexe Systeme letztlich unkontrollierbar und unbestimmten Ausmaßes kollabieren.

Corona ist Stress

Sich dieser Gesamtsituation mental und emotional zu entziehen, ist nicht mehr möglich. So gelassen man selbst auch die Situation sehen möchte; spätestens wenn alle um einen herum durchdrehen, Supermärkte leergekauft werden und Mobilität sowie Persönlichkeitsrechte massiv eingeschränkt sind, kann man sich dem Clusterfuck nicht mehr entziehen. Panik ist nicht angebracht, zur Gelassenheit aufzurufen, wie es mancherorts getan wird, halte ich aber auch für ziemlichen Humbug und für naiv. Die Situation ist ernst, das merkt jeder, der Verantwortung für Menschen und Unternehmen hat. Dennoch: Auch und gerade in dieser Krise müssen Entscheidungen getroffen werden. Die Lage ist unübersichtlich und unsicher. Und somit bleibt nur, sich konzentriert und schrittweise von einem Tag auf den anderen vorzubereiten, ohne das Ganze aus dem Blick zu verlieren. Leichter gesagt als getan.

Auch im Zukunftsinstitut fragen wir uns: Was macht diese Krise mit uns? In einem so genannten Situation Room beschäftigen wir uns laufend mit der Folgeabschätzung und entwickeln eine Roadmap. Keine Frage: Auch bei uns sind Emotionen im Spiel, aber jetzt gilt es, mit seinen Emotionen irgendwie klar zu kommen. Der Umgang mit Emotionen ist im Moment vielleicht sogar das Allerwichtigste.

Wie umgehen mit den Auswirkungen von Corona

Emotionen sind Alarmsignale an uns selbst, sie dürfen uns aber nicht verführen und uns in den Affekt locken. Das Einzige, was jetzt hilft, ist, die ohnehin vorhandene Anspannung in einen State der produktiven Anspannung zu übersetzen.

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Auch wenn die Emotionen immer wieder versuchen, uns nach links oben zu ziehen, müssen wir uns in die produktive Anspannung bringen. Dort sind wir in der Lage, klug zu analysieren, gute Entscheidungen zu treffen und clever zu handeln. Methoden und Tools helfen uns dabei, die Emotionen zu kontrollieren und das Abdriften zu vermeiden.

Modelle halten die Emotionen im Zaum

In der ersten Reaktion ist völlig klar, dass wir Menschen emotional reagieren. Die einen werden hypernervös, die anderen sind verärgert. Man macht sich Sorgen und hat Ängste. Die Einschnitte wirken durch ihre Radikalität aber nicht nur auf die Gegenwart ein. Vielmehr verändern sie unsere Zukunft. Was wir Zukunft nennen, ist nichts anderes als eine Vorstellung, Bilder und Gedanken in unseren Köpfen, wie es kommen wird. Diese Bilder sind von unserer Gegenwart und unseren Erinnerungen geprägt. Durch Corona ändert sich unsere Vorstellung. Was wichtig und gut ist, gerät auf den Prüfstand, und wir entwickeln neue Muster der Zukunft.

Krisen sind Momente, in denen wir kompensieren müssen, was nicht durch Routinen vorgegeben ist. Es bedarf einer produktiven Anspannung und eines Kicks, der durch die Emotionen angeregt wird. Aber in der richtigen Dosierung. Diese Dosierung erreichen wir, indem wir mit klugen Modellen und Methoden vorgehen. Denn: Wenn sich die Zukunft unvorhergesehen ändert und unsere Emotionen hoch sind, brauchen wir etwas, an dem wir uns festhalten können. Kluge Modelle helfen uns, Orientierung zu schaffen.

Jeder kennt solche Modelle: Nehmen wir nur die berühmte Pro-Contra-Liste. Was spricht dafür, was dagegen. Doch wenn alle betroffen sind, wie bei Corona, handelt es sich nicht um ein einfaches Phänomen – im Gegenteil, wir haben es mit höchster Komplexität zu tun. Corona führt uns nun in Windeseile vor Augen, was ohnehin in unserer Welt gilt. Durch die enorme globale und digitale Vernetzung haben wir es kaum mehr mit linearen Wirkungsketten zu tun. Was auch immer wir untersuchen und beobachten, ist in sich komplex. Wenn wir beginnen, systemisch zu denken, lernen wir die Welt in ihren Zusammenhängen zu verstehen. Dann erkennen wir auch, dass vieles, das scheinbar unsichtbar im Hintergrund liegt, plötzlich in den Fokus rückt. Es verschieben sich die Möglichkeitsräume und es wird deutlicher, worauf es ankommt.

In der Krise braucht es Zukunftskompetenz

Daher wollen wir am Zukunftsinstitut die Modelle, Tools und Methoden, die wir auf unser Unternehmen anwenden, um den bestmöglichen Umgang mit Corona zu gewährleisten, mit Ihnen teilen. Wir wollen gemeinsam mit Ihnen raus aus der Alarmzone und in produktiver Anspannung durch die Krise in die Zukunft gehen. In den nächsten Wochen werden wir unsere Modelle, Tools und Methoden für die aktuelle Lage adaptieren und sie auf die Corona-Krise anwenden. Wir werden sie immer wieder systemisch erkennen und analysieren und die potenziellen Folgen einschätzen.

Am Zukunftsinstitut hat die produktive Anspannung, mit kurzen Pausen, die Kontrolle über die Emotionen behalten. In diesem State haben wir unter anderem ein Whitepapervorbereitet, das die Wirtschaft und Gesellschaft nach Corona in 4 möglichen Zukunftsszenarien schildert. Wir werden Sie mit einer adaptierten Version unserer Trend Canvas dabei unterstützen, Antworten auf die Frage zu finden, was Corona für Ihre Organisation bedeutet. Mit Webinaren, speziellen Podcasts und Videos sowie weiterführenden Artikeln werden wir die Lage ab sofort regelmäßig für Sie einordnen und analysieren. Ich lade Sie ein, den Vor-Sicht-Modus zu aktivieren und gemeinsam mit dem Zukunftsinstitut in produktiver Anspannung durch die Krise zu gehen. Auch, wenn Sie und wir eigentlich etwas anderes vorhatten.