„Healthiness“-Work-Life-Balance – Wir müssen umdenken und neue Modelle in unserer Arbeitswelt schaffen!

by Cornelia Beier “Healthiness Gipsy” – 17.06.2019

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Englische Version

Hallo Zusammen – dies ist der Auftakt einer neuen Serie und ich würde mich sehr über feedback und Kommentare freuen.

In unserer westlichen Welt ist die Arbeit ein wesentliches Element unserer persönlichen Bestimmung und Selbstverwirklichung. Erfolgreiche Arbeit ist verbunden mit Status, finanzieller Unabhängigkeit und Bestätigung. Doch immer mehr Menschen schaffen es nicht, ein Leben in Balance zu führen. Die Digitalisierung und die Schnelligkeit unseres Alltags führt immer mehr zur Überforderung des einzelnen Menschen und dies kann zu Selbstzweifeln, Depressionen und dem häufig belächelten Burnout führen.

Ich selber habe mich vor einigen Jahren in Situationen gefunden, wo ich Mails aufgrund der Zeitverschiebung mitten in der Nacht beantwortet habe und mir selber einen hohen Druck aufgebaut habe, um etwaigen Erwartungen in meinem direkten Umfeld „gerecht“ zu werden und habe dann Monate später gemerkt, wie sehr diese „verschobene“ Arbeitsweise an meiner Power gezerrt hatte.

Viele Unternehmensberater der „old school“ kennen inzwischen das Problem der neuen Wertediskussionen bei den jüngeren Nachwuchskräften: Der Wunsch nach mehr Freizeit nimmt zu und die Idee 24/7 für den Kunden und den Chef verfügbar zu sein ist kein erstrebenswertes Ziel mehr.
Laut KPMG ist der Wunsch nach mehr Freizeit vor allem bei jüngeren Menschen in der Zeit zwischen 30 und 39 Jahren besonders hoch. Früher war es völlig normal, dass die jungen Väter sich in ihrem Job „austobten“ und die Mütter alleine mit dem Thema der Erziehung und der Aufrechterhaltung des kleinen Familienbetriebs namens „family“ verantwortlich waren. Doch diese Wertesysteme haben sich komplett gewandelt.
Dazu kommt, dass wir zunehmend unsere Erfüllung in kreativen Projekten und einem ganzheitlichen, gesunden Lebensstil suchen, da wir immer mehr übersättigt von Produkten und Konsumgütern sind. Der größte Teil unserer Bevölkerung kennt die existentiellen Ängste nicht mehr und der materielle Besitz und die Definition über Statussymbole nimmt zunehmend ab.

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Doch wie können wir den Wunsch nach mehr Work-Life-Balance umsetzen und dazu beitragen einen ganzheitlichen und gesünderen Lebensstil zu integrieren, ohne dafür verurteilt zu werden?
Ein wesentlicher Punkt ist das Umdenken bei den älteren Generationen, die noch in einem anderen Wertesystem in den letzten 30 Jahre agiert haben. Wir sollten den Mut entwickeln, uns langsam von alten Glaubenssätzen zu entfernen. Wer kennt nicht diese Diskussionen und Prahlereien um die „Vielarbeit“.
„Ich fahre zwar jetzt in den Urlaub, aber ich bin natürlich mobil und per Mail immer erreichbar – ich wechsle nur den Ort.“
„Ich habe so viel zu tun, sitze bis nachts noch im Büro – aber das geht halt nicht anders!“
„Meine Familie hat schon eine Vermisstenanzeige gestellt!“
„Freunde, Konzerte, Sport – dafür habe ich keine Zeit!“
Diese Liste könnte man unendlich fortführen und jeder von uns kennt diese Beispiele, die uns einerseits zum Schmunzeln bringen, uns andererseits aber krank machen können und für „abhängige“ Menschen im direkten Umfeld einen enormen Druck aufbauen.
Ich habe schon vor über 20 Jahren die Diskussion mit Führungskräften in meiner PR-Agentur geführt, die selbstverständlich ohne Rücksicht auf zum Beispiel Mütter ein Meeting am Abend nach der Rückkehr von einer Geschäftsreise ansetzten, um noch die wichtigen Details des Kundenmeetings zu besprechen. Hier gilt es die Wahrnehmung zu verändern und einen Wandel in den Unternehmen hin zu einem „healthy work-style“ zu etablieren.
Es reicht nicht aus, wenn wir in unseren Unternehmensleitlinien hineinschreiben, dass Mitarbeiter auch selbstverständlich von Zuhause arbeiten können, wenn wir andererseits gegenüber Kollegen abwertend kommentieren, wenn der Mitarbeiter dies auch umsetzt.
Wir brauchen mutige, lebensbejahende Chefs und eine neue Form des Leaderships, die Gesundheit, Beziehungen zu anderen Menschen, eine glückliche Partnerschaft etc. zulassen und vor allem wertschätzen. Dafür benötigen wir in der Arbeitswelt flexible Arbeits- und Arbeitszeitmodelle und ein völlig neues Bewusstsein für die Bedürfnisse nach Sinnerfüllung und die aktive Etablierung von Themen wie Gesundheit, Fitness, Nachhaltigkeit, Familie etc. in die gelebte Unternehmenskultur „Corporate Health“.
Bisher wurde ein gesundheitsförderndes und familienfreundliches Umfeld meistens von den Menschen in den Unternehmen konzipiert, die selber nicht betroffen sind oder aus einer anderen Generation stammen. Dies führt zu einem eher lieblosen und vor allem leidenschaftslosen Angebot an Möglichkeiten für die Mitarbeiter.

Die gerade veröffentlichte Studie der UNICEF zeigt unter anderem, dass Schweden im Bereich der Kinderbetreuungsangebote weit vorne liegt und eine neue Kultur der Gleichberechtigung auch in den Unternehmen zu menschlicheren und familienfreundlicheren Systemen geführt hat.

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Wenn man sich mit Menschen unterhält, die schon einmal in Schweden bzw. Skandinavien gelebt haben, wird dies immer mit sehr viel Enthusiasmus unterstrichen. In Skandinavien leben die Menschen glücklicher und es gibt wenig Probleme im Bereich der Work-Life-Balance. Für den Skandinavier ist bereits heute völlig normal, nicht nur erfolgreich arbeiten zu wollen, sondern auch erfolgreich zu leben.

Auch werden in den deutschsprachigen Ländern immer noch Arbeitsumgebungen von google oder Twitter eher belächelt und als „Kindergarten“ verurteilt. Dort wurden Treppen teilweise durch Rutschen ersetzt und Yoga- und Pilateangebote neben Tischtennisplätzen und Kreativräumen für Brainstormings sollen den Mitarbeiter motivieren, Stress abzubauen.
Doch letztendlich spricht der Erfolg derartiger Maßnahmen eine andere Sprache!

Fotos brandsynario.com

Ich selber bin ein Mensch, der die wirklich guten Ideen niemals am Schreibtisch entwickelt, sondern eher beim Walken in der Natur, beim Aufräumen morgens oder auf der Fahrt zu einem Termin während ich ein inspirierendes Hörbuch oder einen guten Podcast höre. Es ist die Inspiration und die Leidenschaft, die kreative Prozesse in Gang setzt.
Wir sollten die junge Generation in diese Prozesse besser einbinden und positiv motivieren, ihre Bedürfnisse so mitzuteilen, dass wir zu einer neuen gelebten „Corporate Health“ Kultur kommen, die nicht zu einer Schieflage zwischen Job und Familie führt!

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